Montag, 30. Mai 2016

Orientierungslose Bleiente zahlt brav Lehrgeld

Am Samstag (28.5.) war es endlich soweit, der Weiße Kenianer stürzte sich nach einer gefühlten Ewigkeit wieder einmal in eine Schlacht, auch wenn es nur um eine reine Seeschlacht handelte. Schon beim Einpacken des Kriegsbeils beschlich unseren Krieger ...
... ein äußerst seltsames Gefühl. Konnte das wirklich alles sein? Traurig sah ihn sein Schlachtross , das zu Hause bleiben musste, aus der Ecke an, als er seine Schwimm-Utensilien zusammen suchte. Die Gummirüstung, Schwimmbrillen, Schwimmhose und fertig - ernüchternd ...

Die Weiße Kenianerin steuerte das Kenianische Motorhome Richtung Kärnten - wenigstens die Richtung war vertraut. Und auch das mulmige Bauchgefühl, dass sich am besten hoch wissenschaftlich und auf gut steirisch mit folgenden philosophischen Worten umschreiben lässt: "I mog eigentli goar net, wozu moch I den Sch...!?!"

Das nächste ungewohnte Gefühl kam beim Zahlen des Startgeldes samt Nachnenngebühr vor Ort auf. Diesmal war es allerdings ein gutes Gefühl. Endlich einmal ein Startgeld für das man das Konto nicht rücksichtslos in die roten Zahlen stürzen muss ...

Und dann? Kein Einchecken, kein Wechselzonen-Einrichten, keine Wechsel-Sackerl aufhängen, kein Abschreiten der Wege in den Wechselzonen - einfach nur Relaxen am Ufer des Klopeinersees - wie soll ein Krieger da bitte in Stimmung kommen? So ein Blutrausch muss auch vorbereitet werden ...

Kurz vor dem Start kam dann Gott sei Dank doch noch die gewohnte Kenianische Vorwett-Kampf-Hektik auf, denn der Weiße Kenianer hatte seine Gummirüstung im Kenianischen Motorhome liegen gelassen, und es waren nur mehr 15 Minuten bis zum Start. Der Kenianische Junior 1 flitze schnell zum Motorhome und dann hieß es schnell rein in die schon etwas in die Jahre gekommene und auch etwas eng gewordene "Wurstpelle und ab zum Einschwimmen in den 21 Grad frischen Klopeinersee.

High noon. Punk 12 Uhr erfolgte der Startschuss und über 80 Open Water Krieger stürzten sich in die Fluten. Was gleich auffiel, die Wasser-Krieger waren nicht wie Tri-Krieger von der fixen Idee besessen, dass die Schlacht auf den ersten Schwimm-Metern entschieden wird. Und so wurde recht gesittet angeschwommen. Doch der Weiße Kenianer machte sich auf den ersten Metern auch ohne Feindeinwirkung selbst das (Wettkampf-)Leben wieder einmal schwer.

Er schwamm wohl zu schnell an, und nach rund 300 Meter rang er japsend nach Luft. Das allerdings mitten in einer Gruppe, die ganz schön aufs Tempo drückte. Plötzlich schnürte es unserem Open Water Rookie richtig die Brust zu, die Gummirüstung war mit einem mal viel zu eng und leichte Panik stieg auf. In seiner Not schaltete er um auf Brustschwimmen. Im Old-Ladies-Style mit dem Wasser über Kopf. Er versuchte sich zu beruhigen, ruhig und gleichmäßig zu atmen. Der Weiße Kenianer ließ die Gruppe passieren und schwamm ein wenig auf die rechte Seite, weg von der Ideallinie. Er dachte kurz daran aufzugeben und umzukehren, denn das Startufer war noch recht nahe.

Dann riss er sich aber am Riemen und begann wieder zu graulen. Bewusst langsamer und darauf achtend, dass er sein eigenes Tempo und seinen eigenen Rhythmus fand. Und es ging wieder und wurde Zug um Zug besser. Er versuchte sich wieder in eine Gruppe zu hängen, aber das Schwimmen im sonst so hilfreichen und kräfteschonenden Schwimmschatten eines Mitstreiters behagte ihm heute überhaupt nicht. Er zog es vor alleine ruhig durchs glatte Wasser zu gleiten.

Und so brachte er die erste 1,5 Kilometer lange Runde doch noch hinter sich und ging mit Zuversicht in die zweite. Es ging auch immer besser dahin und mittlerweile fühlte er sich viel recht gut und begann die Schlacht ein wenig zu genießen. Er schwamm weiterhin alleine, was zur Folge hatte dass er sich orientierungsmäßig auf sich selbst verlassen musste und da war er letztendlich ziemlich verlassen. Der Weiße Kenianer hat ziemliche Schlagseite beim Freiwasserschwimmen wie er feststellen musste. Ganz gegen seine politische Gesinnung hat der Weiße Kenianer im Open Water einen starken Rechtsdrall und so musste er seine Schwimmrichtung immer wieder nach links korrigieren. Köpfchen aus dem Wasser, nächste Boje ausfindig machen und möglichst gerade darauf zu schwimmen. Im Zickzack-Kurs - wie später auch die GPS-Auswertung deutlich zeigte, ging es durch die zweite Runde.

Der GPS-Auswertung des Sick-Zack-Schwimmens der Kenianischen Bleiente.

In Runde 3 war unser Krieger dann richtig im Flow und auf nach der letzten Wende-Boje machte er auf den letzten 500 Metern ordentlich Druck. Und letztendlich waren ihm die 4,5 Kilometer dann fast zu kurz, zumindest hätte er den erhöhten Schluss-Pace wohl länger bzw. schon früher schwimmen können.

Und hier das Ganze Drama im Suunto-Video:



Kraftvoll schnalzte er die letzten Züge in den See und schon hatte er Grund unter den Beinen und lief ans Ufer. Aus einem alten Instinkt heraus wollte er gleich weiter laufen Richtung Wechselzone um sein Schlachtross zu suchen, als es ihm durch den Kopf schoss, dass die Schlacht hier schon zu Ende war und nicht erst so richtig los ging, wie sonst beim Triathlon. Er war schon im Ziel.

Glücklich fiel der Blick natürlich sofort auf die neue Suunto Ambit 3 und die meldete 1 Stunde und 14 Minuten. Der Weiße Kenianer war etwas enttäuscht, denn er hatte sich 1:10 vorgenommen gehabt. Ein zweiter Blick auf die Uhr lieferte aber gleich die Erklärung für die 4 "Extra-Minuten". Laut GPS war er 4,95 Kilometer geschwommen, statt der laut Veranstalter exakt ausgemessenen 4,5 Kilometer der Wettkampfstrecke. Und er war punktgenau seine Ziel-Pace von 1 Minute 30 auf 100 Meter geschwommen. Tja, wenn man fast 500 Meter zu viel durch die Gegend plantscht, darf man sich nicht wundern, wenn die Zeit flöten geht.

4,95 km in 1:14:26 mit einem Pace von 1:30/100m

Die Anfangsschwierigkeiten in Runde 1 und die Tatsache, dass er alles alleine geschwommen war, hatten natürlich auch Zeit gekostet, aber unterm Strich war der Weiße Kenianer letztendlich doch zufrieden mit seiner ersten Open Water Schlacht. Vor allem war er stolz auf sich, dass er trotz der kleinen Panik-Attacke durchgebissen und nicht aufgegeben hatte.

Hakuna Matata!

Die Finisher-Medaille!




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