Dienstag, 2. April 2013

Xtrememan: So muss Triathlon!!!

Der gemeine Hobby-Triathlet für den der IRONMAN nach wie vor das Maß aller Dinge ...
... ist, muss sich neben dem aufwändigen Training, dass er neben Beruf und Familie irgendwie unterbringen muss, leider auch mit fast jährlichen Preiserhöhungen bei den Startgebühren, phantasievollen Online-Bearbeitungsgebühren, explodierenden Starterzahlen und diskussionswürdigen Änderungen abfinden.

Ironman ist der Platzhirsch und hat sich diese Position jahrzehntelang erarbeitet. Manchmal wünscht sich der Weiße Kenianer Veranstalter und Sportler würden sich zwischendurch ein wenig an die Wurzeln der Bewegung Triathlon, die er selbst auch nur aus zahlreichen Erzählungen kennt, erinnern ...

Aber der Weiße Kenianer möchte heute nicht sudern, obwohl er das mitunter nur allzugerne tut - ganz kann er seine Wiener Wurzeln halt auch nicht immer leugnen ..

Nein heute möchte der WK einfach nur eine Lanze für einen Langdistanz-Bewerb in Ungarn brechen, euch den Xtrememan einfach wärmstens ans Herz legen, wenn ihr Lust auf eine Zeitreise zurück zum Ursprung des Triathlons mit noch wahren Helden - fernab von Kommerz habt ...

Bereits zum 23. Mal findet heuer im verschlafenen Örtchen Nagyatad der Xtrememan (3,9/180/42) statt. Und einige Kenianer werden wieder als Einzel- und Staffelstarter mit dabei sein.

Nagyatad, das ungarische Langdistanz-Mekka nahe der Kroatischen Grenze.

Tja, was ist alles anders beim Xtrememan?

Fangen wir einmal beim leidigen Thema Startgeld an. Als Einzelstarter bezahlt man zwischen 120 bis 160 Euro, je nach Zeitpunkt der Anmeldung. Es gibt auch 3er und Megastaffeln über die Langdistanz und die Kosten pro Starter zwischen 35 und 55 Euro.

Der Weiße Kenianer hat mit Kenianischen Freunden bereits zwei Mal als Staffel-Starter am Xtrememan teilgenommen und der Hawara aus Walhalla und die Kenianische Bergfräse waren bereits als Einzelstarter mit dabei. Heuer will auch der Comeback Kenianer den Xtrememan solo bezwingen.

Als Familien-Vater kann euch der Weiße Kenianer den Xtrememan nur empfehlen. Um das Ironman-Startgeld kann man in Nagyatad mit der Familie zusätzlich eine ganze Woche Urlaub machen ...

Natürlich sind die Leistungen vor Ort nicht mit einem Ironman zu vergleichen. Aber mit einem gut organisierten Volkstriathlon bei uns hält der Xtrememan allemal locker mit. Und wie gesagt es geht um eine Zeitreise: back to the roots.

Wenn man durch die Wechselzone schlendert fühlt man sich um einige Jahrzehnte zurück versetzt. Dort stehen Räder für die Langdistanz, die wir nicht einmal geschenkt nehmen würden. Mit solchen Rädern würden wir nicht einmal um die Ecke um ein Packerl Milch fahren. Achso. Dazu nehmen wir ja sowieso meistens das Auto ...

Back to the roots: Ein ungarischer Langdistanz-Helf auf dem
Weg zum Start. Am Wettkampftag in der Früh - wohlgemerkt.

Und wenn man dann noch sieht, wie ein solcher Stahl-Esel aus dem Jahre Schnee beim Wechseln staffelintern einfach von einem 1,90 Meter großen Mann an eine zierliche 1,60 Meter große Frau einfach weiter gegeben wird, dann geniert man sich fast ein wenig.

Wieviele Stunden hat der Weiße Kenainer schon mit dem Finden der richtigen Sitzposition verbracht? Millimeterarbeiten druchgeführt, Gurus angerufen und herumgesch....

Natürlich wird schon die Sattelhöhe verstellt für die kleine Ladie, aber dennoch hängst sie am viel zu großen Stahl-Renner wie der Affe am Schleichstein. Trotzdem strampelt sie munter und alles andere als langsam los ...


Der Weiße Kenianer mit fast dem gleichen Material wie der
ungarische Hero vom Foto oben ...


Kommen wir zum leidigen Thema Neoprenvervot: JA oder NEIN?
Für viele Krieger ist das die Gretchenfrage bei der es fast um Leben oder Tod geht. Die angeblicher härtesten unter der Sonne schmelzen dahin wie Butter und bekommen puddingweiche Knie, wenn Neoprenverbot ausgesprochen wird ...

Für die ungarischen Startern (neben einigen Kroaten waren wir dort bisher immer die einzigen Ausländer) ist das einfach kein Thema. Meistens ist der wunderschöne See mit glasklarem Wasser ohnehin zu warm und falls der Neo doch erlaubt ist (im Vorjahr war es so) haben die meisten doch keinen an. Der Grund ist denkbar einfach: sie besitzen keinen!

Dafür sieht man sportliche Starterinnen im sexy Bikini die 3,8 km in Angriff nehmen. Oder komplett mit weißer Creme eingeschmierte Ungarische Kampfschwimmer.

Der Weiße Kenianer startet im Vorjahr natürlich mit Neo und war heilfroh das Tempo des Hauptfeldes (fast alle ohne Neo) halbwegs mitschwimmen zu können.

Und gleich zum nächsten heißen Eisen: Windschattenfahrverbot!

Als Staffelfahrer hat der WK beim Extrememan schon über 255 Kilometer abgespult und dabei noch nie einen Wettkampfrichter am Motorrad gesehen. Wozu auch, unter den rund 600 Teilnehmern gibt es einfach keine "Lutscher". Da fährt niemand Windschatten. Da sind echt noch wahre Helden am Werk, die ihre Stahlrösser über die Landstraße jagen. Die sehr flachen 180 Kilometer wären übrigens optimal für "Lutscher" aber es ist dort einfach keine Thema!

Übrigens ein völlig neues Wettkampfgefühl, wenn man nie einen "Lutscher" am Hinterrad hat, wenn man nie von einem "Zug" überholt wird und auch selbst nie in die Versuchung kommt zu lutschen. (Der Kenianische Krieger der noch nie gelutscht hat, werfe den ersten Carbon-Rahmen ...). Vor allem für den Nacken sehr entspannend, denn man muss NIE nach lästigen Wettkampfrichtern auf Motorräder Ausschau halten.

Die Laufstrecke ist eine 3,8 Kilometer langer Rundkurs in dem kleinen Städtchen. Diesen flachen Rundkurs durch Ortszentrum und Park gilt es 11 Mal zu bewältigen. Auf der Laufstrecke herrscht reger Verkehr und die Stimmung hat Volksfest-Charakter und vor allem auch zwischen den Sportlern.

Der Extrememan hat auf jeden Fall einen ganz besonderen Spirit und der Weiße Kenianer kann euch diese Veranstaltung nur sehr ans Herz legen, wenn ihr einmal eine etwas andere, urige Langdistanz unter echten Helden machen wollt.

Hier noch zwei kurze Anekdoten als Beispiel:
Ein wackerer, ungarischer Staffel-Radler reitet mit seinem Citybike in die Wechselzone ein. Bleibt stehen und blickt sich fragend um. Als er feststellen muss, dass niemand seines Team da ist um ihn abzulösen, zückt er das Handy. Er wählt, telefoniert, legt auf und verstaut sein Handy wieder. All das macht er mit der stoischen Ruhe und Gelassenheit eine tibetanischen Mönchs. Danach sieht er sich noch einmal nach Teamkollegen um, bevor er beschließt wieder auf die Wettkampfstrecke zu fahren, um halt einfach selbst noch eine Runde abzukurbeln ...

Ganz ehrlich, wenn das dem WK passiert, erschlägt er seinen Staffelkollegen, sobald dieser auftaucht. Schließlich geht es bei uns immer um Sekunden, die angeblich die Welt bedeuten ...

Bei der Nudelparty lernten die Kenianische Bergfräse und der Weiße Kenianer einen mehrfachen, ungarischen Langdistanzmeister kennen. Der gute Mann war stolze 73 Jahre alt und sorgte dafür, dass die Bergfräse und der WK auch ohne Nudelparty-Gutschein (den sie erst am nächsten Tag bei der Registrierung erhielten) ordentlich einschaufeln durften.

Auf die typisch kenianische Frage, welche Zeit er sich als Einzelstarter beim Xtrememan vornehmen würde antwortete der Altmeister:

"In meinem Alter nimmt man sich keine Zeit vor, mal will einfach nur ankommen!"

Tief beeindruckt versprachen die Bergfräse und der WK auf der Finish-Line auf den Altmeister zu warten. Auch beim Extrememan ist um 24 Uhr Zielschluss, allerdings war der Einzelstart erst um 7:45 Uhr und somit haben die Starter nur 16 Stunden und 15 Minuten Zeit zu finishen.

Nach rund 16 Stunden ging der 73jährige ungarische Langdistanz-Altmeister auf die letzte Laufrunde (11 Runden a 3,8 Kilometer) und man konnte sich leicht aussrechnen, dass er es bis 24:00 nicht mehr schaffen würde, jedoch auf jeden Fall in des sonst üblichen 17 Stunden, die es beim Ironman gibt.

Also hielten die Veranstalter kurzerhand die Zieluhr an. Dann schlossen sich alle freiwilligen Helfer auf der Laufstrecke dem Altmeister an und liefen die letzte Runde mit ihm. Kurz bevor der Hero auf die Zielgerade einbog, warf man die Zieluhr wieder an und so finishte der Altmeister überglücklich.

Er dürfte wohl bis heute nichts von diesem kleinen Trick wissen. Aber egal, denn in der ungarischen Gluthitze als 73jähriger einen Langdistanz-Triathlon überhaupt zu finishen hat sich größten Respekt verdient.

Also lief unser persönlicher Hero nach 16,5 Stunden über die Ziellinie und nach einer kurze Erstversorgung erblickte er uns lächelnd und bedankte sich, dass wir unser Versprechen gehalten hatten!

Und die Siegerehrung am nächsten Tag ist überhaupt ein unbeschreibliches Erlebnis. Auch wenn man kein Wort versteht ist man einfach gefesselt von der Stimmung im Saal.

Das ist weder eine Sekte noch eine Veranstaltung der Grünen,
sondern die festliche Siegerehrung beim Extrememan.

Wer noch immer nicht überzeugt ist: 
HIER DER LINK ZUM HIGHLIGHT-VIDEO VON 2011
(bei Minute 9:54  läuft das Kenianische Dream-Team ein!)




HAKUNA MATATA UND AUF ZUM EXTREMEMAN NACH NAGYATAD!






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