Freitag, 6. September 2013

Pleiten, Pech und Jubel-Dienst!

Eigentlich begann wieder einmal alles - wie es beim Weißen Kenianer leider immer ist - mit Pleiten, Pech und Pannen. Das Kenianische HN-Schlachtross lag bis einen Tag vor dem Wettkampf auf der Intensivstation des Stammestempels und wurde erst "just in time" fit, was sich auch ...


... doppelt rächen sollte, aber dazu später. Die Anreise im Kenianischen Motorhome mit der Weißen Kenianerin verlief verdächtig problemlos und der Empfang in Zell am Teich durch die Familie Hahn war äußerst herzlich. Sir Hahn, eine lebende Triathlon-Legende gab wertvolle Tipps und der Jung-Hahn organisierte einen optimalen Stellplatz für das Kenianische Motorhome direkt bei der Wechselzone. Herzlichen Dank für alles an die Familie Hahn!

Gemeinsam mit dem Black-Out Kenianer ging es noch auf einen gemütlichen Test-Ausritt, bevor man seine sieben Sachen für die große Schlacht zusammensuchte. Ein Horror, immer hat man das Gefühl man hat etwas vergessen, und meistens hat man das auch. Diesmal hatte der WK seinen Garmin Forerunner zu Hause liegen gelassen - wo er noch immer brav auflud. Im nächsten Leben wir der Weiße Kenianer Kugel-Stoßer - da braucht man nur die Kugel mit und Ende ...

Sowohl das Abholen der Startnummer als auch der Check-in des Kenianischen Schlachtrosses gingen ratz-fatz, und dass bei 2.000 Startern - großes Kompliment ans Organisationsteam und die Helfer.

Die Tatsache, dass die Helfer Planen für die Schlachtrösser austeilten, bestätigte die Befürchtung des Wetter-Hahns - es würde wohl eine Regenschlacht werden. Nach indischem (Chicken-Curry) und einheimischen (Kaiser-Schmarren) Carbo-Loading gemeinsam mit der Familie Hahn und dem Black-Out Kenianer zogen sich die Weiße Kenainerin und der Weiße Kenianer ins Motorhome zurück.

Vorher warf der Weiße Kenianer noch einen Blick auf die unzähligen, friedlich schlafenden Schlachtrösser:

Die schlafende Schlacht-Rösser Herde samt gelber "Verhüterlis" ...

Eine unruhige Nacht.
Es dauerte nicht lange und der Weiße Kenianer sank in erholsamen Schlaf, und noch kürzer dauerte es bis die ersten Regentropfen ans Dach den Kenianischen Motorhomes klopften. Eigentlich sehr romantisch im Camping-Bus zu kuscheln und dem Regen zu lauschen, jedoch die Aussicht auf ein Regenrennen machte die Romantik leider zu Nichte.

Und so wurde es eine eher unruhige Nacht mit immer dem selben Spielchen. Einschlummern, aufwachen, lauschen - kein Regen - zufrieden wieder wegtösen. Aufwachen, lauschen, Trommel-Konzert des Regens am Busdach - frustriert wieder einschlafen ...

Am Morgen ging es gemeinsam mit dem Black-Out Kenianer noch einmal zum Kontroll-Gang durch die Wechselzone. Mittlerweile stand fest, dass es eine Regenschlacht werden würde. Was soll's einfach das Beste daraus machen, dachte sich der Weiße Kenianer.

Bei der See-Schlacht und beim Infanterie-Marsch stört der Regen ohnehin nicht, und am Schlachtross würde er die Sache vorsichtig angehen - um nicht schon wieder einen Abflug zu riskieren ...

Das Missgeschick vor dem Start.
Bereits eine gute halbe Stunde vor dem Start quälte sich der Weiße Kenianer in seine Gummirüstung, damit ihm wenigsten einmal an diesem Tag warm werden würde. Dann ging es zum Einschwimmen in den überraschend angenehmen, ja fast warmen, Teich von Zell. 

Der WK schwamm sich kurz ein und wärmte sich dann noch am Ufer weiter auf. Fünf Minuten vor dem Start sprang er von einer kleinen Mauer am Ufer ins Wasser, und schnitt sich - woran auch immer - den rechten großen Zehen auf. Einfach toll!

Zum Jammern oder gar verarzten blieb allerdings keine Zeit, und so schwamm er - mit brennendem und blutendem Zeh - in Richtung Startline. 

Die Profis durften fünf Meter vor dem Seil, das als Startline über dem Wasser gespannt war, starten, die Agegrouper dahinter. Der WK stellte sich direkt am Seil in die erste Reihe und irgendwie blieb er dort relativ alleine, das übliche Vor-Start-Gedränge blieb völlig aus. Da fiel auch schon der Startschuss und er paddelte ohne Feindkontakt drauf los als gäbe es kein Morgen.

In einem Anflug von Größenwahn hatte der Weiße Kenianer wenige Augenblicke vor dem Start - im Zehen-Blut-Rausch - folgenden wahnwitzigen Plan geschmiedet: Volles Geschäft wegschwimmen und versuchen auf die Profis aufzuschließen und dann ab in deren Wasserschatten.

Tatsächlich holte er bereits nach 30 bis 40 Metern eine Goldhaube und somit eine Pro-Kriegerin ein und heftete sich sofort an deren Fersen. Die Gold-Lady schlug ein super Tempo an und der WK ließ sich nicht mehr aus den Augen. So ging es im Zweier-Bob bis zur Wende und auch nach der Boje erwischte er sie gleich wieder. Vor ihnen tauchte eine silberne Badehaube (männlicher Pro-Krieger) auf und die Lady beschloss diese einzuholen. Geschätzte 500 Meter vor dem Ausstieg stellten sie die Silber-Haube und nun ging es zu dritt weiter. 300 Meter vor dem Schwimmaussteig wurde der Weiße Kenianer, der wieder Erwarten nicht am Anschlag schwimmen musste um mitzuhalten, übermütig und zog davon. 

Wettkampf- und energietechnisch ein kompletter Holler (wie der steirische Kenianer sagt), aber für das Ego des Weiße Kenianers unbezahlbar. Mit vor Stolz und vor Anstrengung geschwellter Brust stieg er vor den beiden Pros aus dem Teich zu Zell.

Als sich der Weiße Kenianer aus den Fluten hievte, zeigte seine Uhr 28 Minuten an und er hatte den ersten Teil-Sieg der Schlacht eingefahren. Auch wenn offizielle Zeitnehmung 29 Minuten 27 Sekunden gestoppt hat - egal das Vorhaben sub 30 Minuten zu schwimmen war gelungen. Als Draufgabe: Platz 6 in der AK M 35 bei der Seeschlacht.

Auf geht's in die erste Wechselzone wo
schon das Schlachtross ungeduldig wartet.


Das Schlachtross bockt wieder.
Auf ging‘s durch die ziemlich lange Wechselzone am Sportplatz auf der man vom Bike-Sackerl übers Wechsel-Zelt weiter zum Schlachtross bis zum Aufsitzen fast eine ganze Stadionrunde absolvierte.

Der Wechsel klappte gut, nur das Aufsetzen der Radbrille war sinnlos, denn diese war beschlagen. Abwischen half auch nichts, die Brille lief gleich wieder an. Also musste sie in der Rückentasche und der wilde Ritt durch den Regen konnte beginnen.

Style ist alles: Lenkerband und Iso-Getränk farblich auf einander 
abgestimmt im zarten Kenianischen Grün!

Zu Beginn des Radkurses galt es sich durch ein ziemliches Winkelwerk zu schlängeln und der WK fuhr wie auf rohen Eiern durch die engen Kurven, zu sehr war ihm der letzte Asphalt-Ausschlag noch in schmerzlicher Erinnerung. Als es endlich auf die breite Bundesstraße hinaus ging fand er schnell seinen Rhythmus und nahm Tempo auf. Doch das Schlachtross bockte auch diesmal. Wie von Geisterhand senkte sich mit einem Mal die rechte Auflageschale des Aerolenkers und sein rechter Ellenbogen befand sich plötzlich ein Stockwerk tiefer.

Er versuchte die Auflageschale zurück zu drehen, doch der ganze Aufsatz war locker und dreht sich sofort wieder nach unten. Also ging es weiter im halbschiefen Tiefflug dahin, was zu Folge hatte, dass sich der Weiße Kenianer gefühlte 7.000 Mal verschaltete. Aber auch davon ließ sich der WK an diesem Tag die gute Laune nicht verderben. Er schob die Auflageschale so weit es ging nach vorne, bis sie am Lenker auflag und dann ging es wieder einiger Maßen.

Über ein Monat war er nicht auf seinem geliebten Schlachtross gesessen und das rächte sich nicht nur im genannten, kleinen technischen Gebrechen, dass sonst wahrscheinlich schon bei einer Trainingsfahrt aufgetaucht wäre. So begannen sich seine vorderen Oberschenkel, die am Schlachtross weit mehr herhalten müssen wie am Rennrad mit dem er trainierte, bereits am Ende der ersten Runde zu verabschieden.

Doch er hatte heute nicht vor Gefangene zu machen, und so drückte weiter auf die Tube. Nur am Ende der zweiten Runde nahm er Tempo raus um nicht mit Krämpfen weglaufen zu müssen.

Obwohl 2000 Starter unterwegs waren fuhr der WK ein einsames Rennen. Als ehrlicher Krieger meidet er ohnehin - so gut es geht - den Windschatten wie der Teufel das Weihwasser - und bei der Regenschlacht wäre es obendrein noch gefährlich.

Immer wieder "Lutscher" on the road.
Allerdings was ein echter "Lutscher" ist, der lässt sich auch von Wind und Wetter nicht davon abhalten, und so kamen dem WK auf der langen Geraden nach Kaprun einige Familien-Packungen und sogar das eine oder andere 30er-Packerl entgegen. Eigentlich bräuchte man in der zweiten Wechselzone nur schauen, wessen Gesicht völlig braun vor Dreck ist, weil er die ganze Zeit am spritzenden Hinterrad des Vordermanns gelutscht hat. Diese doppelten Schmutz-Finken sollte man dann mindestens 6 Minuten Zeit geben zum "Hübschmachen" fürs Laufen. Der Weiße Kenianer wäre überhaupt dafür, dass die Wettkampfrichter keine Karten zeigen, sondern notorischen Windschattenfahrern einen große Lutscher umhängen mit dem sie dann - für jedermann sichtbar gekennzeichnet - den restlichen Wettkampf bestreiten müssen ...

Belohnung für Windschatten-Fahrer: Ein Lollipop zum Umhängen ...

Zurück zur Schlacht: Mit einem Bike-Split von 2:25:53 schwang sich der Weiße Kenianer vom Schlachtross.

Auch der zweite Wechsel klappte alles gut, obwohl das Anziehen der Kenia-Strümpfe mit nassen und verdreckten Unterschenkel gar nicht so leicht ist ...

Endlich ging es auf die Laufstrecke. Ja, ihr habt richtig gelesen! Der Weiße Kenianer freute sich diesmal wirklich aufs Laufen, denn ...

1. War es dabei deutlich wärmer als am Ross.
2. Wollte er endlich einmal zeigen, dass er kein Nordic Walker mehr ist.

Die Marschroute war klar: 5er-Schnitt. Den ersten Kilometer lief er samt Pinkel-Pause deutlich unter 5 Minuten, und dann pendelte er sich auf der ersten 7-Kilometer-Runde auf 4:50/km ein. Und es fühlte sich gut an, so gut, dass der WK zuversichtlich war, dass er das Tempo bis zum Ende durchziehen würde können.


Der Weiße Kenianer flog förmlich durch die engen Innenstadt-Gasserl ...
Foto©Löwe

Er konzentrierte sich immer nur auf den nächsten Kilometer. 15:00 Minuten zeigte die Uhr z. B. bei Kilometer 3 und er handelte sich weiter, bis die Uhr 19:30 Minuten anzeigte und hielt nach der 4-Kilometer-Tafel Ausschau. Die tauchte auch brav auf, und er passierte sie sogar bevor die Uhr auf 20 Minuten sprang. So verging die erste Runde wie von selbst, er holte sich sein erstes, motivierendes Rundenbändchen.

Inzwischen hatte ihn der Kenianische Transport-Turbo überholt, doch damit hatte er sowieso gerechnet, und er ließ sich nicht beirren. Auch als ihn der Blackout-Kenianer überlief, blieb er stur auf seinem Tempo und voll motiviert. Er lief sein Rennen und er hatte nur einen Gegner zu besiegen: sich selbst!

Fast erstickt.
An den Labestationen trank er schluckweise Wasser und Iso und er krallte sich ein Gel, dass er bei Kilometer 10 einwerfen wollte. Und dann lieferte er einmal mehr eine typische, weißkenianische Aktion. Es nieselte noch immer und mit den nassen Fingern brachte er das Gel einfach nicht auf. Also biss er den Verschluss von dem kleinen Alu-Säckchen ab, drückte sich den energiespendenden Sirup gierig hinter die Kiemen und schluckte den Verschluss gleich mit. Fabelhaft!

Mittlerweile war er an der Labe vorbei und das Verschluss legte sich in der Speiseröhre quer. Es blieb dem nach Luft ringenden Weißen Kenianer nichts anders über als mit dem im Hals kratzenden Teil ca. 2 Kilometer bis zur nächsten Labe zu laufen, wo er es dann endlich runter spülen könnte.

Sonst lief auch auf der zweiten Runde alles nach Plan und er holte sich das motivierende, zweite Rundenbändchen.

Obwohl der Weiße Kenianer so weit weg von zu Hause, von Little Kenia war, standen unheimlich viele Kenianische Schlachtenbummler am Wegrand. Nicht nur die mitgereiste Weiße Kenianerin, auch das Löwenpärchen, der Kenianische Bergziege und weitere Vereinskollegen feuerten ihn lautstark an. Überhaupt war die Stimmung auf der Laufrunde, die durch die Innenstadt führte, ein Traum - und das bei dem Sauwetter.


Am See entlang ging's zur Wende und
dann zurück in den Zeller Hexenkessel.


Der Einbruch.
Bis Kilometer 17 lief der Weiße Kenianer jeden einzelnen Kilometer unter 5 Minuten. Doch dann kam - zwar nicht der Mann mit dem Hammer - aber zumindest ein kleines Männlein mit einem kleinen Hämmerchen. Die Beine wurde schwerer, der Magen knurrte - er fühlte sich leer. Mit Cola versuchte er sich noch einmal zu pushen aber so richtig wollte es nicht gelingen. Und ein kleines Teufelchen, auch bekannt als der innere Schweinehund, begann immer lauter in sein Ohr zu flüstern: Du finishst heute auf jeden Fall unter 5 Stunden, da kannst Du den Rest bis in Ziel auch gehen. Und ob Du jetzt in 4:47 oder in 4:48 finishst - "who cares"?

Mit einem Wort fehlte dem Weißen Kenianer auf den letzten Kilometern der Wille sich bis aufs Letzte zu quälen. Er zog es vor einen Gang zurück zu schalten und halbwegs schmerzfrei und glücklich das Ziel zu erreichen. So konnte er die letzten Meter durch die Zeller Innenstadt auch richtig genießen und die tollte Stimmung förmlich in sich aufsaugen.


5 für den Weißen Kenianer die Zahl des Tages:
Er lief einen 5er-Schnitt und blieb unter 5 Stunden Gesamtzeit.


Mit einer Gesamtzeit von 4:48:52 lief er über die Finish-Line und blieb 11 Minuten unter der magischen 5-Stunden-Schallmauer. Yeah! Endlich ein Tag an dem für dem WK die Triathlonwelt in Ordnung war! Vor allem lieferte er mit 1:44:56 seine beste Halbmarathonzeit bei einer Mitteldistanz ab und blieb sogar nur rund 5 Minuten über seiner besten, reinen Halbmarathonzeit.

Nach Ziellabe, Dusche und Massage fühlte er sich überhaupt wie ein neuer Mensch und genoss den mehr als zufrieden stellenden Saisonausklang. Jetzt warten einige trainingsfreie Wochen auf den Weißen Kenianer und auch noch jede Menge Promotion-Arbeit für sein Buch "Der Weg frisst das Ziel", das Ende September erscheint. Dazu mehr in Kürze.

Herzlichen Dank an den Profi-Dompteur 2.0 und den Kenianischen General von GDT - General Development of Training. Die erste Saison unter euren Fittichen war wirklich ein großer Schritt nach vorne und der Weiße Kenianer blickt voller Zuversicht auf seine große Revanche am 29. Juni 2014 bei der "Großen Schlacht um den Buchstabenteich"!

Hakuna Matata!


Danke an meine Weiße Kenianerin, die wie immer
am Streckenrand lautstark mitfieberte!











2 Kommentare:

  1. Und? Ist der Energiegel-Sackerl-Verschluss schon wieder aufgetaucht? Aber vielleicht ist das Mitessen des Alu-Sackerls ja eine geniale Idee - stecken doch in 100g Alu 1600 Wh (Watt-Stunden), also genug Energie um 4 Stunden lang mit 400 Watt in der Landschaft herumzufahren...

    Gratuliere zur bombigen Schwimm-, wasserfesten Bike- und stark gesteigerten Laufleistung.

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  2. @ Flo: so genau will ich das gar nicht wissen. Ob sich der Verschluss noch in mir befindet werde ich wohl erst beim nächsten Urlaubs-Flug oder Röntgentermin erfahren ...

    Danke für die Blumen. Aber noch bin ich weit davon entfernt in einer Schlacht mit dem Kenianischen Dalai Lama (also mit Dir) mitreiten oder gar mitlaufen zu können!

    glg
    WK

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