Freitag, 5. Juli 2013

Der Kenianische Silly Walker kennt keine Grenzen!

Christoph "Schlagi" Schlagbauer sorgte mit dem Sieg in der AK 18-24 bei seinem ersten ...
... Antreten bei der großen "Schlacht um den Buchstabenteich" – bei seiner ersten Langdistanz überhaupt – für eine kleine Sensation. Es war nur eine kleine Sensation, da "Schlagi" schon seit einiger Zeit als eines der größten Triathlontalente in Österreich gehandlet wird und auf der Halbdistanz feierte er schon beeindruckende Erfolge.


Christoph "Schlagi" Schlagbauer bei 
seiner morgendlichen Munddusche.

Foto © tribild.at

Mit seinem recht eigenwilligen Laufstil auf der Finish-Line am Buchstabenteich hat er sich nicht nur für die WM auf Hawaii sondern auch für die Aufnahme in den erlauchten Kreis der Kenianischen Krieger qualifiziert. 

Wer am Ende einer so beinharten Schlacht noch mehr oder weniger freiwillig für Jubelstürume und gleichzeitige Lachkrämpfe beim Weißen Kenianer sorgt, der hat es wirklich verdient. 

Frei nach dem Vorbild von Sian Welch & Wendy Ingraham (The Crawl 1997 auf Hawaii) legte er einen wunderbaren Laufstil auf den letzten 100 Metern an den Tag - Krabbeln konnte er gerade noch vermeiden und somit drängte sich - frei nach Monty Python - auch sein Kenianischer Name förmlich auf.

Der Kenianische Ältestenrat, der die Aufnahme einstimmig beschloss taufte "Schlagi"auf den klingenden Kenianischen Namen: Der Kenianische Silly Walker!


Zur Erinnerung: The Crawl - 
die Insperation für den Kenianischen Silly Walker.


Oder standen doch die großartigen Monty Python
Pate für den Kenianischen Silly Walker?


Zum Einstand stand der Kenianische Silly Walker dem Weißen Kenianer auch gleich Rede und Antwort nach seinem großen Erfolg bei der "Schlacht um den Buchstabenteich".

Auf deinem Blog steht zu lesen, dass Du erst seit 3 Jahren Triathlon machst. Bitte sage jetzt nicht Du hattest vorher 200 kg, warst starker Raucher und Trinker und kanntest Sport nur als Konsument vor dem TV. Was hast Du vorher sportlich oder unsportlich so getrieben?

Das ist vollkommen richtig! Und es stimmt auch, dass ich wohl mehr Zeit passiv vor dem TV-Gerät Sport trieb. Die Fenster zwischen den Sportübertragungen (egal was, ich schaute alles) wurden aber durchaus mit aktiven Sport gefüllt. Was man am Land halt so treibt, ein bisschen Fuß- und Volleyballern, über selbst gebaute Schanzen mit den Skiern springen um anschließend wieder hinaufzustaffeln, Bälle auf Tischplatten hin und her schießen und so weiter – Hauptsache Bewegung im Freien! Dann irgendwann mit 17 hab ich regelmäßiger im Sommer zu laufen begonnen um bei Volksläufen Pokale zu sammeln … und das eine ergab das andere bis hin zum Ironman!

Die große "Schlacht um den Buchstabenteich" war deine erste Langdistanz. Welche Deiner Erwartungen und Befürchtungen sind auch eingetroffen und was war ganz anders als erwartet?


Ich erwartete mir, dass es lang wird – eingetroffen
Ich erwartete mir saugeile Stimmung – eingetroffen
Ich erwartete mir ein verdammt hartes Rennen ab km30 – mehr als nur eingetroffen
Ich erwartete mir, dass ich am Rad nicht zu schnell anfangen – NICHT eingetroffen
Ich erwartete mir Ernährungsprobleme – nicht eingetroffen
Ich erwartete mir ein Bier nach der Ziellinie – EINGETROFFEN :-)

Die Frage die den Weißen Kenianer am meisten beschäftigt: Hast Du die Schweinsbratensemmel in Reifnitz jetzt verdrückt oder nicht?

Die ominöse Schweinsbratensemmel hat es nicht in die Eigenverpflegung geschafft – sie wurde bereits am Vortag auf dem Weg dorthin vernichtet!

Was hast Du Dir bei der ersten Radrunde gedacht? 

Oder hattest Du sowieso vor die gleichen Bikesplits wie Andreas Raelert zu fahren?

Wenn man die Splitzeiten anschaut, scheint es so als hätte ich mir gar nichts dabei gedacht ;-) 
Und so ähnlich war es auch… 
Bereits nach der Hälfte der Runde wurde das Gewissen ob der hohen Wattzahlen so schlecht, 
dass ich dann doch klein bei gab.

Warum hast Du es Dir in der zweiten Runde dann plötzlich anders überlegt?

Ich hab es mir nicht anderes überleget – Die Entscheidung eines Kampfrichters (er musste davor wohl Alkohol konsumiert haben) sowie mein Körper, der die folgenden 6 Minuten Stillstand nach einer vielleicht doch etwas zu großen Belastung davor nicht ganz vertragen hat, überlegten es sich anderes. Und das war hinsichtlich des noch folgenden Marathons auch gut so!

Du hast am Rad eine Zeitstrafe für Windschattenfahren erhalten. Verdient oder nicht?

Es behauptet wohl jeder Athlet, dass er eine Strafe nicht verdient hatte. Es ist schwer im Nachhinein das Gegenteil einer undokumentierten subjektiven Tatsachenentscheidung zu beweisen. Aber auch meine Antwort ist: Nicht Verdient. Argumentationslücken auf Seiten des Kampfrichters, der meinte ich sei 5 Minuten im Windschatten gefahren, obwohl ich gerade erst 2 Kurven davor überholt wurde, lassen mich zusätzlich zur Tatsache, dass der Abstand mehr als groß genug war, darauf schließen.

Ähnlich beim Marathon, da bist Du die erste Hälfte in einem Höllentempo gelaufen - wie war da die zweite Hälfte für Dich?

Das Tempo, das ich angelaufen bin, war geplant und ich fühlte mich eigentlich sogar so gut, dass ich hätte um einiges schneller laufen können. Aber schlauerweise tat ich das nicht und besann mich auf einen Schnitt über 4 Minuten am Kilometer. Der Einbruch folgte dann genau bei km28 – die Beine wollten nicht mehr, aber was die Beine nicht konnten rettete der Kopf über die Ziellinie!

Es gibt einige Bilder auf denen Du gemeinsam mit dem Kenianischen Löwen zu sehen bist. Seid ihr länger zusammen gelaufen?

Zuerst einmal war es mir eine Ehre mit dem Kenianischen Löwen zu laufen, dieses Schauspiel könnte sich ja auch auf Hawaii wiederholen. Er hat mich in Runde eins immer wieder gezogen, wenn mir das Tempo zu schnell wurde, habe ich reißenlassen, um dann wieder mal ran zu kommen. Es war sehr motiviertend!


Paarlauf: Der Kenianische Löwe (l.) und der Kenianische Silly Walker

Foto © Triaguide

Gleich beim ersten Antreten hast Du die Hawaii-Quali geschafft, kennst Du eigentlich die Bedeutung der Wörter: Grenzen oder Misserfolg?

Wörter, die wohl jeder Triathlet – jeder Sportler – irgendwann einmal kennenlernen muss. 
Noch habe ich Gottseidank keine große Bekanntschaft mit ihnen machen müssen!

In welchem Jahr wird sich Deiner Meinung nach der Weiße Kenianer für Hawaii qualifizieren? Bitte um eine ehrliche und keine schmeichelnde Antwort!

Ich weiß nicht in welchen Sportarten Weltmeisterschaften auf Hawaii ausgetragen werden, aber im Triathlon ist es nun mal so, dass er sich im Optimalalter für die Langdistanz befindet, wie aber viiiiele andere auch! Allein sein Wille und sein Durchsetzungsvermögen in den kommenden Altersklassen wird dies entscheiden! Also an der Performance auf dem kenianischen Schlachtross wird es definitiv nicht scheitern!
Welche Ziele hast Du noch in der laufenden Saison bzw. wie sehen Deine Ziele für Hawaii aus?

Bis jetzt mal nur Hawaii, die Planung bis dorthin wird in den nächsten Tagen folgen. Hawaii will ich sehen, dabei sein und ein unbeschwertes Rennen machen… Ich nehme mir nur das vor, alles andere ist Zugabe, aber ich bin mir doch dessen bewusst, dass ich bei einem optimalen Rennverlauf in der AK18-24 weit vorne landen kann.

Du liebäugelst ja bereits mit einer Profi-Karriere? Wie sind da die Pläne?

Die sind schon relativ konkret. Ab 2014 wird wohl mit Lizenz gestartet. Fußfassen und mal schauen wo ich stehe wird die Devise sein. In weiterer Folge möchte ich mich aber – vielleicht schon 2015 – für die Ironman70.3 WM qualifizieren, womit auch beantwortet ist, dass ich noch nicht so schnell fix auf der Langdistanz bleiben werde.

Nun stehst Du vor deinem größten sportlichen Erfolg - der Aufnahme in den erlauchten Kreis der Kenianischen Krieger - was bedeutet Dir dieser Umstand?


Ich bin geneigt zu sagen, dass dies eine blöde Frage ist… Ich kann die Ehre kaum abschätzen – vor allem wenn man sich unlängste Neuaufnahmen, wie den Kenianischen RAAMler anschaut – „affengeil“ in einem Atemzug mit vielen Ausnahmekriegern genannt zu werden.

Ähnlich wie die Raelert Brüder zählst Du zu den Hungertürmen in der Szene. Was ist dein (Ernährungs-)Geheimnis? Wobei in deinem zarten Alter war auch der Weiße Kenianer noch ein Strich in der Landschaft (seufz!):

Gegessen wird was gut ist! Es gibt kein wirkliches Geheimnis. Vielleicht Ausgewogenheit! 
Mich erwischt man genauso wie bei einem Salat oder frischen Obst, bei McDonalds und Pizza.

Wer sind Deine Vorbilder im Sport?


Die erwähnten Raelertbrüder – vor allem Andi – stehen schon ganz weit oben. Unglaubliche Athleten, riesen Erfolge und trotzdem auf dem Boden geblieben und sympathisch bis auf den letzten Knochen!

Wie stehst Du zum leidigen Thema Doping? 

Mit dem Thema Doping beschäftige ich mich nicht wirklich. Es ist zwar traurig für mich als angehender Sportwissenschaftler, dass ich nicht mal weiß was für Möglichkeiten mit welchen Auswirklungen und „positiven“ sowie negativen Folgen es gibt, aber es ist so. 
Wenn manche Leute glauben sie müssen auf unerlaubte Art und Weise ihre Leistung steigern – ihre Gesundheit, in ein paar Jahren bin ich sowieso schneller ;-)

Beim Zieleinlauf bist Du auf den Spuren von Sian Welch & Wendy Ingraham gewandelt. 
Oder hast Du bei den Monty Pythons einen Kurs für "Silly Walking" belegt?
Was war da los auf der Finshline? Wie hast Du das selbst mitbekommen?
Nun ja, mein Vorteil war, dass ich möglichst viel Zucker aufgenommen habe und damit noch mein Gleichgewichtszentrum im Gehirn noch arbeitete ;-) 
Diese Art und Weise hab ich mir aber an diversen Wochenenden in der Pubertät unter Einfluss hochprozentiger Flüssigkeiten ganz gut angeeignet… und genauso wie an so manch nächste damals, kann ich mich leider nicht an den Zielkanal erinnern… Schade darum! 


Der Kenianische Silly Walker in Action!

Wofür begeisterst Du Dich außerhalb des Triathlons?

Essen, hin und wieder ein Bier, Radsport, Fußball, schlafen, Fernsehen, Natur, nett sein und Menschen helfen und so Sachen halt ;-)

Was geht Dir tierisch auf die Nerven?

Die Einstellung so mancher Menschen (ohne jetzt genauer zu erläutern welche das ist)

Was soll einmal auf deinem Grabstein stehen?

Schlagbauer – beim Heiraten wird der Name bleiben müssen ;-)

Der Weiße Kenianer bedankt sich für das - bis auf einen wüsten Ausrutscher - nette Interview:


" ... besann mich auf einen Schnitt über 4 Minuten am Kilometer ..."
Für diese Ansage gibt's bei nächster Gelegenheit eine besinnungslose Pflichtwatschen
für den Kenianischen Silly Walker vom Weißen Kenianer! 


Sei es wie es sei, der Weiße Kenianer verspricht sich bei seinem nächsten Wettkampf, bei der "Schlacht um den Pichlingersee" auch so auszupumpen, dass er völlig erschöpft aber glücklich ins Ziel stolpern wird. Möge der Geist des Kenianischen Silly Walkers mit ihm sein ...

Hakuna Matata!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen