Zwei Wochen lang leckte der am Boden zerstörte Weiße Kenianer beim als Familienurlaub getarnten Trainingslager in Kroatien und Ungarn die tiefen Wunden seiner Sportlerseele. Doch dann stand er auf um gemeinsam mit dem Kenianischen Gentleman, dessen Bruder, ...
... dem Gespalteten Kenianer in Ausbildung und dem Hopfentee Kenianer in die "Schlacht um Nagyatad" zu ziehen.Wie Phönix aus der Asche erhob er sich vom Boden der Verzweiflung allerdings nur um noch unsanfter als bei der "Schlacht von Gösselsdorf" am A.... zu landen ...
Aber der Reihe nach:
Gemeinsam mit dem Comeback Kenianer und dem Hawara aus Walhalla, die sich beide als Einzelkämpfer in die "Schlacht um Nagyatad" werfen würden, ging es im Morgengrauen nach Gyekenyes zur Seeschlacht.
Um 7:30 Uhr fiel der Startschuss für die Einzelkämpfer, und sowohl der Hawara aus Walhalla als auch der Comeback Kenianer waren bereits mit guten Zeiten aus den Fluten gestiegen und auf ihre Schlachtrösser gesprungen, als um 8:50 Uhr der Kanonenschuss für die Staffel-Kämpfer abgefeuert wurde.
Der Weiße Kenianer warf sich in die glasklaren Fluten des Kotro, eines malerischen Baggersees im Naturschutzgebiet und nach einem leichten Startgeragel fand er schnell "gute Beine" eines stark schwimmenden Vordermannes. Mit hoher Frequenz klemmte sich der WK in den Schwimmschatten und hämmerte ins warme Wasser - wie fast immer bei der "Schlacht um Nagyatad" waren Gummirüstungen bei über 26 Grad Wassertemperatur verboten.
Nach der schlechten Schwimmzeit bei der "Schlacht um Gösselsdorf" wollte der Weiße Kenianer unbedingt zeigen, dass seine Form zu Wasser weit besser ist, als er hatte zeigen können. Er hatte sich vorgenommen die 1,9 Kilometer unter 33 Minuten zu schwimmen.
Nach 600 Meter ging es um die erste Boje - ohne Feindkontakt. Jedoch drängte sich ein unbekannter Krieger zwischen den WK und sein "Zugpferd" und nun schwamm er als Dritter im "Dreier-Wasser-Bob". Zwischen Boje zwei und drei musste der Weiße Kenianer die beiden dann ziehen lassen, etwas Tempo herausnehmen und seinen eigenen Rhythmus weiter schwimmen, sonst hätte er sich bereits bei der Seeschlacht versenkt.
Nach 1100 Metern ging es um die vierte und letzte Boje und er fand wieder einen Vorschwimmer der zu seinem Tempo passte und nun ging es in einer endlos scheinenden 800 Meter langen Geraden zurück zu Start und Schwimmaustieg.
Auf den letzten Metern machte der Weiße Kenianer noch einmal richtig Dampf und stieg ziemlich blau aus dem Wasser um seinen Chip an den Kenianischen Gentleman zu übergeben, dieser warf sich in die Fluten und schwamm für die Kenianische Mega-Staffel die zweite Runde der 3,8 Kilometer.
Ja ihr habt richtig gelesen, beim Extrememan in Ungarn gibt es Staffeln über die volle Ironman- bzw. Langdistanz und zwar 3er- und Megastaffeln.
Nach der Übergabe kam endlich der obligate Blick auf die eigenen Stoppuhr, die noch immer lief, aber dennoch eine Zeit unter 31 Minuten anzeigte. Beide Trizeps und der Latissimus waren zwar völlig ausgepumpt und krampften während des Umziehens fast, aber das war nebensächlich, er war mehr als zufrieden mit seiner offiziellen Schwimmzeit von 30:44 für die 1,9 Kilometer - und das im Old School Style in der Badehose - im unverfälschten Kampf Mann gegen Wasser ...
Nun hatte er eine halbe Stunde Zeit um sich hoch motiviert ins nagelneue Cocoon-Dress zu schmeißen, sein HN-Schlachtross noch einmal kurz durchzuchecken und dann scharf auf den wilden Ritt wie Nachbars Lumpi auf den Kenianischen Gentleman zu warten, der tapfer durch die Fluten pflügte.
Der Weiße Kenianer würde am Schlachtross die erste, 75 Kilometer lange Rad-Runde übernehmen, und mit dieser hatte er noch eine Rechnung offen. 2011 hatte er die Runde in 1:53:21 mit einem Durchschnitt von 39,42 km/H abgespult und diesmal sollte die 4 ganz vorne stehen ...
Da schwebte bereits der Kenianische Gentleman (vormals Kenianische Bergfräse) den Anstieg vom Schwimmausstieg bis zur Staffelübergabe hoch. Der WK schnappte sich den Chip, beglücktwünschte seinen Mit-Krieger zur tollen Schwimmleistung und eilte Richtung HN-Schlachtross.
Schnell aus der Wechselzone in den Sattel gesprungen und bereits nach wenigen Kurbelumdrehungen hatte der Weiße Kenianer Gewissheit. Es war der Tag der "guten Beine" - und diesmal waren es seine eigenen. Er fühlte, dass er richtig Dampf in den Schenkerln hatte und beschloss von Anfang an nichts anbrennen zu lassen, keine Gefangenen zu machen.
So schnell wie möglich beschleunigte er auf über 40 km/H, überholte auf den ersten 500 Metern ein gutes Dutzend ungarische Krieger und bereits nach nur zwei Minuten Fahrzeit sprang der Kilometer-Schnitt auf seiner Garmin auf 40,3 km/H. Jetzt hieß es dieses Tempo "einfach" die "restlichen" 74 Kilometer zu halten. Der WK war wild entschlossen, seine zweiten persönlichen Sieg im Rahmen seiner Lieblings-Schlacht einzufahren!
Doch erstens kommt es anders, zweites wenn man lenkt ...
Nach rund zwei Kilometer tauchte die erste Kurve auf, eine schnelle 90-Grad-Kurve auf einer breiten, großzügigen Kreuzung. Mit vollem Geschäft warf er sein Schlachtross in die Schräglage und um den Tacho so kurz wie möglich unter die magischen 40 fallen zu lassen, ging er bereits am Kurvenausgang in den Wiegetritt um wieder volle Fahrt aufzunehmen.
Und dann plötzlich im Wiegetritt ein lautes Krachen, mit einem Mal befand sich der Lenker des Schlachtrosses um einen Stock tiefer und dem Weißen Kenianer schoss ein panisches Deja Vu durch den Kopf. Schon einmal, vor etwas mehr als einem Jahr, hatte ich sein geliebtes Schlachtross auf die gleiche Art und Weise abgeworfen (hier zum Nachlesen der Post: "Wenn Dich das Schlachtross abwirft").
Unglaublich wie schnell die Gedanken in so einem Moment sind. Bevor der Weiße Kenianer - völlig chancenlos den Sturz noch vermeiden zu können, wie denn ohne Lenker? - den Asphalt küsste, schoss es ihm durch den Kopf: "Nicht schon wieder. Zwei Mal kann einem Menschen so etwas doch nicht passieren. Zwei Mal kann doch ein normal unkaputtbares Teil (der Schaft der Gabel) nicht einfach so in voller Fahrt aus heiterem Himmel abbrechen!".
Noch ein letzter Gedanke vor der unsanften Landung: "Jetzt wird es gleich ziemlich schmerzlich. Das wird wohl ein netter Asphaltausschlag. Ein Deja-Au!".
Der Weiße Kenianer krachte samt Schlachtross zu Boden und schlitterte über den Asphalt. Schmerz stellte sich allerdings keiner ein, zu groß war der Ärger und zu stark der Adrenalinausstoß. Ein ungarischer Streckenposten, der die Kreuzung absicherte, eilte schnell zur Hilfe. Mit geschundenen Händen und Füßen fragte der WK den Helfer, ob er sein zerstörtes Schlachtross samt Radschuhen bei ihm hinterlegen dürfte. Danach machte er sich im Fußmarsch zurück Richtung erster Wechselzone.
Da ein Unglück selten alleine kommt, waren beide Kenianischen Begleitfahrzeuge - durch die Straßensperre der Wettkampfstrecke über eine Umleitung in die Gegenrichtung - längst abgereist und so stand der schwer angeschossene Krieger alleine irgendwo im ungarischen Nirgendwo, ohne Plan, ohne Handy, ohne Mama - mittlerweile mit starken Schmerzen ...
Geknickt und in gebrochenem Englisch erbat er von einem Zuschauer ein Handy und rief die Weiße Kenianerin an. Herzlichen Dank an den edlen Spender, dessen Telefonrechnung hoffentlich durch das Auslandstelefonat nicht allzu hoch sein wird.
Der Hopfentee-Kenianer, der den Kenianischen Tourbus lenkte machte gemeinsam mit dem Kenianischen Gentleman kehrt. Zum zweiten Mal an diesem Tag joggte der Kenianische Gentleman Richtung erster Wechselzone, wo der Weiße Kenianer sehnsüchtig auf ihn in der prallen Sonne wartete.
Die Wartezeit nutzte der Weiße Kenianer zur Selbstbegutachtung samt Selbstmitleid. Sichtbar hatte es die linke Schulter am meisten erwischt. An der linken Hüfte war außer einem Bluterguß nicht viel zu sehen, dafür schmerzte sie höllisch.
Kenianischer Asphalt-Ausschlag auf der linken Schulter ...
Mit einem besorgten Lächeln im Gesicht begrüßte der Kenianische Gentleman den Weißen Kenianer mit einem aufmunternden Klaps auf die linke Schulter. Kein Scherz! Der Gentleman landetet mit den Worten: "Gott sei Dank ist Dir nichts passiert!", einen Volltreffer in die offenen Wunde.
Trotz eines neuen, kurzen hohen Schmerz-Höhepunktes mussten beide lachen, der Kenianische Gentleman entschuldigte sich charmant und korrigierte seine Aussage auf: "Gott sei Dank ist Dir nicht mehr passiert ..."
Dann versuchte man gemeinsam einem ungarischen Exekutivbeamten zu erklären, dass man mit dem Bus das verletzte Schlachtross holen müsse. Die Strecke war allerdings bis 11:00 Uhr ausnahmslos gesperrt und so hieß es noch 20 Minuten warten.
Inzwischen beriet man, was man mit der nun bereits zu Beginn verlorenen Staffel-Schlacht anfangen sollte. Man beschloss, dass der Bruder des Kenianischen Gentleman als zweiter Radfahrer in der zweiten Wechselzone wieder ins Renngeschehen einsteigen sollte, und dass man den restlichen Bewerb als gemeinsamen Training absolvieren würde.
Nach 11:00 Uhr sammelte der Weiße Kenianer sein armes Schlachtross ein und im Auto ging es zurück nach Nagyatad zur zweiten Wechselzone. Mit gut einer halben Stunde Verspätung schickte man den Bruder des Kenianischen Gentleman los und auch der Gespaltene Kenianer in Ausbildung und der Kenianische Gentleman ritten brav ihre Rad-Runde ab.
Der Weiße Kenianer haderte mit dem Schicksal, so gerne hätte er für die Staffel eine gute Zeit aufgestellt und die 40er-Schallmauer durchbrochen. Mittlerweile war der Comeback Kenianer bereits auf der Laufstrecke, die in 9 Runden 18 Mal am Kenianischen Basislager vorbeiführte, und der WK beschloss sich voll auf die Unterstützung der Kenianischen Einzelkämpfer zu konzentrieren.
Leider war der Comeback Kenianer der einzige Einzelkämpfer, denn es auf der Laufstecke zu betreuen galt, denn der Hawara aus Walhalla musste mit immer größer werdenden Rückenschmerzen - es musste ihm sogar jemand vom Schlachtross helfen - auf der letzten Radrunde aufgeben ...
Der Hawara aus Walhalla musste leider mit Kreuzschmerzen
in der letzten Radrunde aufgeben. Gute Besserung!
Während alle Krieger noch Richtung Mittagshitze ritten, nahmen die Kenianischen Junioren erfolgreich am Ironmano-Lauf (übersetzt: Iron-Männchen-Lauf) teil. Alle vier kehrten mit hochroten Gesichtern aber voller Stolz über ihre Finisher-Medaillen zurück zum Kenianischen Basislager.
Die kleine Comeback-Kenianer Prinzessin, der WK Junior 1 + 2
und der Comeback-Kenianer Junior (von links).
Der WK Junior 2 strahlte mit der
ungarischen Sonne um die Wette!
Die Hitze war inzwischen für die Krieger fast unerträglich geworden, die Sonne hatte locker die 40er-Schallmauer durchbrochen und auch im Schatten kroch das Thermometer auf über 36 Grad.
Während die Comeback-Kenianerin, der Comeback-Kenianer Junior und der Weiße Kenianer Junior 1 den Comeback-Kenainer bei jedem Vorbeilaufen verpflegten, versuchte der WK den tapferen Krieger stets mit zwei Wassserflaschen zu kühlen, in dem er ihm das Wasser über Kopf und Körper goss.
Der Comeback-Kenianer absolvierte von Anfang an ein äußerste kluges Rennen mit viel Köpfchen. Er ging wenig Risiko und war dafür immer stets Herr der Lage und hatte - auch bei Affenhitze - alles unter Kontrolle, war stets gut gelaunt und bedankte sich artig bei seinen Helfern.
Der Comeback-Kenianer schaltete auch am HN-Schlachtross
rechtzeitig eine Gang zurück und trotze der ungarischen Gluthitze!
Inzwischen beschloss der Weiße Kenianer doch eine Wettkampf-Runde (4,7 km) in Angriff zu nehmen. Mit der Wut im Bauch stellte er sich trotz Schmerzen der Hitzeschlacht und trommelte 20:45 auf den teilweise von der Sonne aufgeweichten, klebrigen (kein Schmäh!) Asphalt.
Somit war die staffelinterne Challenge eröffnet. Der Hopfentee-Kenianer versuchte zu kontern, musste sich an diesem Tag dem WK allerdings um 6 Sekunden geschlagen geben. Der Kenianische Gentleman erwies sich an diesem Tag zum zweiten Mal seines Namens nicht würdig, nahm dem WK 10 Sekunden ab und wirkte dabei noch ziemlich locker ...
Die zweite Hälfte der neunten und letzten Runde lief die Kenianische KSV-HN-TriTeam-Staffel gemeinsam und finishte schließlich - außer Konkurrenz - in 9:55:45. Letztendlich doch noch eine schöne gemeinsame Leistung und ein versöhnliches Ende.
Der Comeback-Kenianer, der mit 80 Minuten Vorsprung auf die Staffel in die Schlacht gestartet war ließ nicht lange auf sich warten und finishte die Hitzeschlacht von Nagyatad, seinen ersten Ironman in heroischen 11:35:06.
Das ungarische Nagyatad war auf jeden Fall einmal mehr eine Reise Wert, und es war sicher nicht das letzte Mal, dass der Weiße Kenianer beim Extrememan am Start stand.
1. Hat er mit der ersten 75 Kilometer langen Radrunde noch eine Rechnung offen.
2. Will er den Extrememan auch unbedingt einmal als Einzelkämpfer finishen.
Wir kommen wieder:
Der WK Junior 1, der WK, der Comeback-Kenainer, der Comeback-Kenianer Junior,
der Hopfentee-Kenianer, die kleinen Kenianer, der noch namenlose Bruder
des Gentleman Kenianers und der Kenianische Gentleman (v. l.).
Aktuell steht beim Weißen Kenianer eine knackige Trainingswoche an - zwangsweise mit großem Laufschwerpunkt, denn Schwimmen ist mit den offenen Wunden noch nicht möglich.
Das Kenianische Schlachtross ist bereits im Stammestempel in Pflege beim Stammeshäuptling, der ebenso wie der Weiße Kenainer die Materialwelt nicht mehr versteht. Mal abwarten, was die Züchter des Schlachtrosses zu dem Fall sagen.
Aber im Endeffekt hat ein Krieger ohnehin nur eine Wahl, wenn er vom Schlachtross geworfen wird:
Aufstehen, Krönchen putzen und sich wieder in den Sattel schwingen!
Hier das offizielle Video mit Highlights von der Schlacht 2013:
Hakuna Matata!





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