Dienstag, 19. Mai 2015

Dead man walking!

Am Sonntag (17. 5.) stand in Sankt Pröllten für den Weißen Kenianer die zweite Schlacht des Jahres an  - diesmal ging es über die Halbdistanz (sprich: 70.3) und wie zu erwarten wurde es ein Drama in 3 Akten. Kurz zusammengefasst ist die Taktik des Weißen Kenianers voll aufgegangen:
nix trainiert, 10 kg zugenommen, bei der Schlacht in jeder der 3 Disziplinen sehr zurückgehalten und trotzdem am Schluss sauber eingegangen. Besser geht's nicht!

Aber der Reihe nach. Nach der sehr erfolgreichen, großen Schlacht um den Buchstabenteich im Vorjahr, kam - wie bestellt - das große Motivationsloch danach. Im Herbst begann der Weiße Kenianer dann wieder ein wenig zu trainieren, und um sich selbst zu überlisten und um sich ein wenig Druck zu machen, meldete er sich sehr frühzeitig für die 70.3-Schlacht von Sankt Pröllten an.

Die Selbstüberlistung ging aber komplett nach hinten los, und vor allem nach dem Jahreswechsel und im Frühjahr trainierte der Weiße Kenianer fast nur mehr seine Kaumuskeln, verwandelte seinen ehemaligen Sixpack in ein (optisches) kleines Bier-Wamperl und mied vor allem Ergometer und Schlachtross wie der Teufel das Weihwasser. Für jeden nicht gefahrenen Kilometer plünderte er das Kenianische "Naschladl" und ließ eine Kalorienbombe nach der anderen platzen. Man glaubt ja gar nicht wie viel süßen Schrott man in sich hineinstopfen kann, nur für ein kurzes Glücksgefühl, gefolgt von längerem schlechten Gewissen. Und wenn's nicht groovt, wirft man die nächste Cholesterin-Bombe nach - ein Teufelskreislauf der nur einem hilft: Nestle & Co.

Schwimmen und Laufen ließ er Gott sei Dank nicht ganz aus, aber auch in diesen beiden Disziplinen schaltete er auch einen recht unregelmäßigen Hobby-Modus ohne echte Ambitionen und Ziele …

Die erste Schlacht des Jahres in Obergrafendorf drückte der "Weite" Kenianer (abgesehen von der traurigen Gesamtzeit) noch irgendwie durch, aber eine Halbdistanz schüttelt man leider nicht so leicht aus dem Ärmel (bzw. aus den Beinen) …

Und da war es dann "endlich" wieder das unangenehme Gefühl vor dem Start, wenn man weiß, dass man zu wenig trainiert hat. Der Weiße Kenianer fühlte sich in seine Schulzeit zurück versetzt, wie vor einem wichtigen Schularbeit oder Prüfung. Freilich hat man selten zu viel gelernt bzw. trainiert, aber diesmal war es auch kein Kokettieren. Der Krieger zog so schlecht vorbereitet wie noch nie, dafür aber so schwer wie noch nie in eine Schlacht. Hier nochmals der Appell an die Verantwortlichen doch endlich Gewichts- statt Altersklassen einzuführen.

Wie schön müsste es wohl sein, sich auf die Klasse 100+ hinauf zu trainieren oder vielmehr zu essen.

Die Ankündigung, dass der See "lauschige" 17 Grad hatte, machte die Lust auf die Wasserschlacht nicht unbedingt größer. So spät wie möglich ließ sich der Weiße Kenianer nach reichlichem Aufwärmen an Land in der Gummirüstung - in der er so richtig vollschlank rüberkam - zu Wasser, doch was sonst bei solchen Verhältnissen immer gut funktioniert hatte, ging diesmal nach hinten los.

Der Weiße Kenianer schwamm mutig in die erste Startreihe und kam auch ganz gut weg, doch bereits nach 150 Metern war der Ofen erstmals aus. Das saukalte Wasser und das schnelle Anfangstempo vertrugen sich überhaupt nicht, es schnürte dem Weißen Kenianer die Lunge zu und er rang brustschwimmend nach Luft. Leichte Panik machte sich breit, und sofort der Blick ans rettende Ufer mit dem Gedanken aufzugeben.

Der Weiße Kenianer versuchte links Richtung Ufer zu schwimmen, aber inzwischen war er im großen Feld der M40-Starter eingekeilt und so blieb ihm mehr oder weniger nichts anders über als doch weiter zu schwimmen. Jetzt weiß er endlich auch wie "toll" es ist im Mittelfeld zu schwimmen, wo es Tritte und Hiebe von allen Seiten gibt - bisher war ihm fast immer die Flucht nach vorne gelungen, aber jetzt hieß es das Feld einiger Maßen von hinten aufzurollen ...

Der angeschlagene Krieger versuchte sich zu beruhigen, langsam durchzuatmen und irgendwie seinen Schwimm-Rhythmus zu finden. Bis ans Ende des ersten Sees gelang ihm das auch einigermaßen, und er wäre fast ins Schwimmen gekommen, wenn da nicht dieser nervige Landgang wäre.

Der Landgang gehört in Sankt Pröllten dazu, ist sicher sinnvoll und auch toll für die Zuschauer, aber der Weiße Kenianer hast Landgänge wie die Pest, nicht nur weil sie zusätzliche Lauf-Meter darstellen …

Jedenfalls weg war der Rhythmus und der Puls schoss gemeinsam mit der Atemfrequenz in die Höhe, während er mit schmerzeden Fußsohlen (ja da ist der Kenianische Krieger eine Prinzessin auf der Erbse, wenn es um Barfußlaufen geht …) zum zweiten See hastete.

Immerhin fand er auf den restlichen 900 Metern der 1,9 km Wasserschlacht seinen Rhythmus schneller, und nach halbwegs - den Umständen entsprechenden - passablen 33:42 stieg er erleichtert aus den Fluten.

Zu recht deutlich zu erkennende Sorgenfalten beim Weißen Kenianer auf dem
Weg nach dem Schwimmen in die erste Wechselzone. Foto © Astrid

Nun stand das größte Überraschungs-Ei der Schlacht an, der ungewisse Ritt mit dem HN-Schlachtross über 90 Kilometer. Hand aufs Herz: die dritte lange "Radausfahrt" in dieser Saison.

Was der Weiße Kenianer dann auf dem Schlachtross ablieferte, war leider mehr Bewegungstherapie als Wettkampf-Modus. Auf der Autobahn getraute er sich nicht "anzudrücken", womit auch mit Null Schmalz in den Oberschenkeln und bergauf fuhr er ohnehin im "Überlebensmodus", vor allem der lange Anstieg nach Gansbach ließ wiederum Zweifel aufkommen, ob er heute noch das Ziel sehen werde. Und ständig rauschten schnellere Fahrer aus den hinteren Wellen an ihm vorbei - sehr aufbauend!

Nach 2:55:30 war der Radwandertag dann doch irgendwie überstanden, und der Weiße Kenianer war richtig froh, endlich von Schlachtross steigen zu dürfen - auch ein völlig neues Gefühl.

Nach einem recht gemächlichen Wechsel (fast 5 Minuten) trabte der angeschossene Krieger los. Schon vom ersten Schritt an fühlte es sich eher wie Nordic-Walken als wie Laufen an. Doch dann nach einem Kilometer meldete Lord Garmin erstaunlicher Weiße eine Zeit von unter 5 Minuten/Kilometer. Auf der ersten Runde pendelte er sich schließlich bei 5:16/Kilometer ein und das Laufgefühl wurde mit Fortdauer des Rennens sogar immer besser. Schmerzte anfangs noch die lästige Schienbein-Muskulatur kräftig, hörte diese nach 7 Kilometer auf und der Weiße Kenianer kam fast ins Laufen - zumindest für seine, bescheidenen Verhältnisse.

Auch wenn es nicht so aussieht - das ist Laufen auf weißkenianisch …
 Foto © Astrid

Nach einigen Kilometern in Runde 2 fielen Lust und Kilometerzeiten dann aber ziemlich ab, und so griff der Weiße Kenianer tief in die Macho-Trickkiste. Als ihn eine hübsche Kriegern überholte, heftete er sich an deren Fersen. Er wusste, dass sich sein Macho-Ego nicht gerne von einer Kriegern abhängen ließ und die äußerst nette "Hinteransicht" der Lady sorgte zusätzlich für Motivation.

Aber auch die niedrigen Instinkte des übergewichtigen Kriegers konnten letztendlich nichts am vorprogrammierten Verfall des Weißen Kenianers ändern. Ja er wollte finishen, denn er wusste das Ziel war das einzig Positive, dass er bei dieser Schlacht erreichen konnte. Die Gesamtzeit würde ohnehin katastrophal werden, und ein Slot für die 70.3 Großschlacht von Zell am See wäre auch in Bestform nur möglich gewesen, wenn die ersten 100 der M40 auf ihren Slot verzichtet hätten …

Wenn ohnehin nix geht, dann fehlt dem Weißen Kenianer auch noch der Wille sich bis aufs Blut selbst zu quälen und so ließ er die Lady, die ihn zwischenzeitlich zu 5:08/Kilometer verholfen hatte, schweren Herzens von dannen ziehen - an dieser Stelle vielen Dank an Mrs. Staffelläuferin unbekannt …

Die Kenianische Dampflok auf den letzten Metern …
Foto © Astrid

Vier Kilometer vor dem Ziel war somit endgültig der Ofen aus, und das "Laufen" des Weißen Kenianers war nur mehr eine Hauch von Nordic-Walken entfernt - wenn überhaupt. "Dead man walking" - hieß es also auf den letzten, schweren Kilometern bis ins Ziel.

Selten war der Weiße Kenianer so erleichtert die Kilometer-Tafel 20 zu sehen, den letzten Kilometer schaffte er nur noch mit der Gewissheit, dass der Wahnwitz bald ein Ende haben würde. Dann doch irgendwie stolz nicht aufgegeben zu haben und mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen überquerte der schwer angeschlagenen Krieger bei 5:29:21 die Ziellinie - den Halbmarathon hatte er samt Geheinlagen immerhin in 1:51: 33 hinter sich gebracht.

Selten hatte sich der Weiße Kenianer so über eine Finisher-Medaille gefreut - noch dazu über eine wirklich optisch äußert gelungene!

Der Lohn fürs Durchhalten: 
Die wirklich schmucke Finisher-Medaille!

Schon während des Rennens war dem Weißen Kenianer aber mehr als schmerzlich klar geworden, dass Schlachten so keinen Spaß machen. Von Anfang an nur ums Überleben kämpfen, kann nicht der Anspruch eines Kriegers sein, der auf der Langdistanz immerhin eine sub 10 stehen hat.

Entweder runter mit den Kilos und rauf mit der Trainings-Intensität oder ganz aufhören. Es gibt ja auch noch andere schöne Sportarten wie Minigolf, Darts oder Schach …

Jedenfalls wird der Weiße Kenianer in den nächsten Tagen in sich gehen, und dann entscheiden ob und wie er weiter macht in Sachen Triathlon.

Doch eigentlich war die Entscheidung schon beim Abholen des Finisher-T-Shirts gefallen,
denn der Weiße Kenianer ließ sich von den netten Damen eines in der Größe M reichen ...


3 Kommentare:

  1. Finisher T-Shirts werden auch durch oftmaliges waschen nicht grösser !

    Grüsse aus Neuberg

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  2. Lieber Anonym,

    Danke für den sachdienlichen Hinweis. Ich hoffe allerdings, dass ich selbst durch zu heißes Duschen "einlaufe".

    glg
    WK

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  3. ..... sehr tapfer.... und das zählt! Liebe Grüße von der anderen Seite der großen Barriere - Herwig

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