… seinen beiden Söhnen, Richtung Schlachtfeld in der Schachblumengemeinde. Der Wettergott meinte es allerdings nicht gut mit den rund 330 Kriegern, und das Begrüßungskomitee aus frostigen Temperaturen, Nieselregen und eisigen Wind verblies fast die Motivation des WKs.
Die Vorfreude sank mit den unwirklichen Verhältnissen für eine Schlacht und den zu niedrigen Temperaturen gegen Null. Es ist ein alles andere als erwärmendes Gefühl, wenn man in zwei Jacken, Haube und Kapuze eingepackt sein Schlachtross in die Wechselzone schiebt, wissend, dass man bald "baden" gehen würde um sich dann nach der Seeschlacht im ärmellosen und naßen Wettkampfdress auf den Bock schwingen würde um den windigen Rundkurs im Regen in Angriff zu nehmen ...
Da half auch die Tatsache, dass das neue HN-Schlachtross des Weißen Kenianers viele Blicke auf sich zog nur wenig - jedoch Stolz und Vorfreude auf den ersten gefechtsmäßigen Ritt am Airstreeem Air TT Plus Carbon wärmten doch ein wenig von innen heraus.
Beim Saisonauftakt gaben sich viele bekannte Gesichter ein Stelldichein und da hob die Laune des Weißen Kenianers wieder. Mit dabei unter anderem: Der Alte Römer, Mr. Triaguide, der Kenianische Dalai Lama, der Rote Lanzaroter, die Gräfin von Tri, der Kenianische Jungstar 2 und vor allem auch der Großwildjäger.
Endlich wieder ein Duell mit seinem Lieblings-Feind, dem Großwildjäger - wenn auch leider nur ein Fernduell, denn sie starteten in unterschiedlichen Startwellen …
Der Weiße Kenianer lief sich in voller Montur mit zwei Jacken, Habe und Kapuze "warm" so gut es ging und wartete bis knapp vor den Start bis er sich in seine Gummirüstung zwängte. Dann schon etwas im Stress wäre ihm fast ein fataler Fehler unterlaufen, der sicher für große Belustigung bei den Zuschauern gesorgt hätte. Um ein Haar hätte er auf seinen Wettkampf-Anzug vergessen und wäre splitterfasernackt in die Gummirüstung geschlüpft. Das hätte Schlagzeilen gegeben, wenn er in der ersten Wechselzone zum Flitzer geworden wäre ums ich dann nackt auf sein neues HN-Schlachtross zu schwingen …
Dann doch richtig adjustiert lief er in der Gummirüstung Richtung Start und sein Plan ging auf, durch das Laufen in der Gummiwurst wurde ihm tatsächlich ein wenig warm. Dann - mit einiger Überwindung - doch noch schnell in die immerhin 18,5 Grad "warmen" Fluten zum Einschwimmen. Und das Wasser sollte das temperaturtechnisch noch angenehmste des Tages bleiben …
Die Kenianischen Junioren: Bei solchen Fans wird einem
selbst bei zapfigen Temperaturen warm ums Herz.
Vor dem Start gab es noch ein freundliches Handshake mit dem Großwildjäger, und das übliche verbale Geplänkel, wie "Du holst mich sicher schon am Rad ein", "Ich bin noch nicht ganz fit", "Ich habe kaum trainiert …", "Meine Großcousine ist krank", "Mein kleiner Zehennagel ist eingewachsen", … "Blablabla …"
Der Großwildjäger und der Weiße Kenianer (weiße Haube)
vor dem Start zur "Schlacht um Großsteinbach".
Die Startsirene riss ihn aus seinen negativen Gedanken und er warf sich - plötzlich wieder hochmotiviert - in die Fluten. Hochmotiviert wäre gut gewesen, aber der Weiße Kenianer war völlig übermotiviert. Wie ein jungen Hund, den man den ganzen Winter lang eingesperrt hatte, bretterte er los. Wild entschlossen die Schlacht bereits auf den ersten Metern zu gewinnen. Auch wenn er - wie jeder Krieger - weiß, einen Triathlon kann man beim Schwimmen nicht gewinnen, nur verlieren.
Aber was helfen solche Binsenweisheiten, wenn der Körper gerade Unmengen an Adrenalin ausschüttet und man wie ein Besessener aufs Wasser eindrischt? Nach geschätzten 200 Metern kofferte der WK an dritter Position um die erste Boje, tolle Zwischenrang aber völlig überzogen, denn bereits kurz nach der Wende war er blau wie Papa-Schlumpf. Ein Satz mit X, das wird wohl nix - schoss es ihm durch den Kopf.
Die Oberschenkel brannten und es schnürrte ihm die Lunge zu. War es die Kälte oder das zu hohe Anfangstempo, oder beides - jedenfalls bekam er kaum Luft und hatte das Gefühl es stünde jemand auf seinem Brustkorb - kurzes Deja Vu an jugendliche Raufereien am Schulhof. Leichte Panik kam auf, kurz dachte er daran ans rettende Ufer zu schwimmen.
Dann versuchte er sich und seine Atmung zu beruhigen, versuchte einen Rhythmus zu finden. Im einzigartigen Großsteinbacher Kanal, der unter drei Brücken durch geht, angekommen, ging er im seichten Wasser ein paar Schritte. Atmete durch. Machte ein paar Hechtsprünge. Und langsam erfing er sich wieder. Hinaus auf die Gegengerade Richtung Ausstieg hatte er einen vernünftigen Rhythmus gefunden und konnte sogar wieder ein wenig Tempo machen. Endlich der rettende Ausstieg.
Was er da heute im Wasser versenkt hatte, das würde er erst viel später erfahren …
So und jetzt nur schnell das Schlachtross finden, schoss es ihm durch den hochroten Kopf. Achtung! Du hast ein neues HN-Schlachtross, nicht das alte suchen! Dank seiner leuchtgelben Wechsel-Matte fand er seinen neuen Hightech-Drahtesel ohne Probleme und es gelang ihm ein schneller Wechsel.
Gar nicht so leicht mit den klammen Füßen in die Radschuhe zu finden ...
Bereits nach wenigen hundert Metern der erste Anstieg - und der war ganz schön knackig. Bergauf stellte sich gleich ein neues Fahrgefühl ein, denn selbst leichter als in den Vorjahren sammelte er mit seinem ultraleichten Schlachtross und seinen neuen, eiernden Kettenblättern im Anstieg einige Gegner ein. Bisher hatte er bergauf meistens das Nachsehen gegenüber kleinwüchsigen Fliegengewichten gehabt.
Auf der nassen Straße riskierte er bei den Abfahrten nichts und trug sein Bike sprichwörtlich um enge Kurven. Bei der ersten Schlacht des Jahres und bei diesem Wetter wollte er vor allem gesund und ohne Schrammen an Schlachtross und Körper ins Ziel kommen.
Ganz so selektiv hatte er den Radkurs allerdings nicht erwartet. Überhaupt hatte er das Gefühl, dass es permanent bergauf ging, obwohl es bekanntlich ein Rundkurs war. Die Anstiege hatten es richtig in sich - da musste er doch das eine oder andere Mal den Rettungsanker, sprich den leichtesten Gang, werfen. Und die fehlenden Kilometer auf dem neuen HN-Schlachtross machten sich bemerkbar, die Belastung am Schlachtross ist doch eine andere als auf dem Trainings-Gaul, wie ihm seine vorderen Oberschenkel deutlich zu verstehen gaben.
Als es dann endlich flach dahin ging, mischte der Wind ein wenig als Spielverderber mit. Aber dank der neuen Hufe machte er jetzt richtig Dampf und genoss den tollen Sound der hochhackigen 85er-Carbon-Hufe. Einfach nur geil!
Doch leider war der Ritt auch schon vorbei als er gerade so richtig ins Fahren kam. Genau deshalb mag der Weiße Kenianer keine Sprint-Schlachten. Hektik pur bei der Seeschlacht und der Ritt am Schlachtross ist schon wieder vorbei, bevor er so richtig auf Touren kommt. Tja ein alter Motor Baujahr 1974 braucht eben eine Weile um Richtig in Schwung zu kommen ...
Der Großwildjäger schwingt sich etwas unorthodox vom Schlachross.
Der zweite Wechsel klappte wie am Schnürchen und noch schneller, im gestrecktem Schweinsgalopp ging es hinaus auf die Laufstrecke. Und da sind wir beim nächsten Punkt, den der WK bei einem Sprint nicht mag - kurz, sauhart und mit einem Höllentempo laufen.
Beim Rauslaufen aus der Wechselzone überholte der WK eine neues Mitglied in der Kenianischen Krieger-Familie, die Kenianische Tri-Hüpferin, die mit Platz 3 in ihrer Altersklasse die Aufnahme in den erlauchten Kreis der Kenia-Krieger mehr als rechtfertigte. Herzliche Gratulation!
Obwohl er seine Beinchen bereits im Wasser und vor allem am Schlachtross ohne Rücksicht auf Verluste "vorbehandelt" hatte, fühlten sie sich noch halbwegs brauchbar an und er fand auch schnell seinen Rhythmus. Für einen richtig schnellen Lauf reichte es leider nicht mehr, aber er konnte - Dank der guten Vorbereitung im Training - eine neue Qualität auspacken:
Schwer angeschossen noch immer ein halbwegs annehmbares Tempo laufen.
Relativ kurz vor der Wende kam ihm der Rote Lanzaroter dicht gefolgt vom Großwildjäger entgegen. Beide waren eine Welle vor ihm gestartet, d. h. mit rund 5 Minuten Vorsprung. "Das sind keine fünf Minuten, die ich da hinten bin", rechnete er freudig im Kopf hoch. Sollte es heute - gleich zum Saisonstart - wirklich endlich einmal klappen. Würde er den Roten Lanzaroter und den Großwildjäger, die ihn in den vergangenen Jahren stets geschlagen hatten, hinter sich lassen können?
Das gab für die letzten 2,5 Kilometer noch einmal richtig Auftrieb. Nach der Wende konnte er sogar noch ein wenig zulegen und die Kraft reichte noch für einen kleinen Zielsprint. Die Tatsache, dass er im Ziel nicht wirklich fix und fertig war, machte ihm einmal mehr bewusst, dass er es bei so kurzen Läufen einfach nicht schaffte, alles aus sich heraus zu holen. Daran muss er wohl noch weiter arbeiten. Da würde er wohl noch einige beinharte Trainingseinheiten mit dem Roten Kenianer, dem
"Großmeister des Sichselbstbisaufsletzteauspressen" absolvieren müssen.
Allerdings ist das erklärte Saisonziel heuer die große "Schlacht um den Buchstabenteich" und bei dieser geht es wohl nicht um Sprintqualitäten …
Das Wichtigste: Beim Zielsprint mit dem WK Junior 2 einklatschen!
Ein herzliches Danke an den Profi-Dompteur 2.0, das Training trägt bereits Früchte und an den Comeback Kenianer, seinen treuen Trainingsgefährten.
Die Zufriedenheit verwandelte sich in große Freude als der Großwildjäger verkündete:
"Du bist vor dem Roten Lanzaroter und vor mir!".
Der Weiße Kenianer konnte es gar nicht recht glauben, und erst zu Hause - bei dem Wetter machte er sich mit der Familie schnellstens auf den Heimweg - beim Analysieren der Ergebnisliste sah er, dass er sogar um nur 36 Sekunden das Stockerl in seiner Altersklasse verpasst hatte.
Ein völlig neues Gefühl: leichter Ärger darüber das Stockerl - das er bisher immer nur aus weiter Entfernung gesehen hatte - verpasst zu haben. Diese 36 Sekunden hatte er eindeutig im See versenkt, am Rad verbremst und beim Lauf mit zu wenig Härte gegen sich selbst verschenkt.
Aber die Freude über "Blech", das an diesem Tag wie "Gold" glänzte war viel größer als der leichte Ärger über Platz 4. Ein fast perfekter Saisonstart, der Lust auf mehr macht und der viel Zuversicht für den Tag X, den 29. Juni 2014 gibt. Denn heuer zählt nur die große Revanche bei der großen "Schlacht um den Buchstabenteich". Dort hat der Weiße Kenianer noch eine Rechnung offen - und der tolle Auftakt war schon einmal eine vielversprechende Anzahlung.
Das goldige "Blech" gibt auch noch zusätzliche Motivation für die letzten beiden Trainingsmonate für dem großen Tag X. Und so standen am Sonntag gleich 100 km ausradeln am Programm und sogar heftigster Gegenwind, der den WK auf der Geraden fast zum Stillstand brachte, konnte dem gepushtem Ego nichts anhaben.
Die Marschroute Richtung "Buchstabenteich" stimmt!
Übrigens: Ein großes Kompliment an Andreas Fuchs und sein Team von dertriathlon.com/sprint! Der Bewerb selbst und alles rundherum verlief dermaßen reibungslos und toll, dass man fast auf die Organisation und die Helfer vergaß - und genau so soll es sein! Wunderbar, wenn alles wie am Schnürchen klappt sich aber keiner dabei unnötig wichtig macht! Danke!!!






.... man war schon in SORGE .... so lange nichts mehr gehört von etwaigen Fortschritten!?! Herzliche Gratulation zu 1) dem Kampfgewicht, 2) dem wirklich SEHR schönen neuen Rad und natürlich 3) dem ausgezeichneten Start in die Saison! Bye - Herwig
AntwortenLöschenLieber Herwig,
AntwortenLöschenfreut mich, wenn Du Dich freust und Danke für die Gratulationen!
glg
WK